München in den 70er Jahren – Durch eine lebendige Musikszene entwickelte sich die Stadt neben London zu dem Zentrum für populäre Musikproduktionen in Europa. Jazz, Schlager, Beat und Disco - die Unterhaltungsmusik war variantenreich. Aufgenommen wurde sie in den zahlreichen Münchner Tonstudios.
Mit Gespür für Trends haben Produzenten den einprägsamen "Munich Sound" erschaffen. Bekannt durch Musikformationen wie Silver Convention, Boney M. und Sängerinnen wie Donna Summer war diese Musik weltweit erfolgreich. Internationale Interpreten folgen, die für ihre Produktionen nach München kamen. Millionenfach auf Tonträgern veröffentlicht, sind diese Hits von damals auch heute noch täglich im Radio zu hören.
Die Stars stehen im Rampenlicht - die Musiker, die mit ihren Instrumenten die Produktionen eingespielt haben, kennen jedoch die wenigsten. Dabei war die musikalische Grundlage für die vielfältigen Songs eine überschaubare Anzahl Münchener Studiomusiker. Sie haben bei den Aufnahmen im Studio die unterschiedlichen Kompositionen interpretiert und Arrangements gestaltet. Diese Studiomusiker haben im Produktionsprozess miteinander interagiert und damit den Sound eines jeden Musikstücks individuell geprägt.
Das Fotoprojekt ON THE RADIO von Olaf Dankert porträtiert die Künstler, die damals in den Münchener Tonstudios die Musik zum Leben erweckt und damit Musikgeschichte geschrieben haben. Die monochromen Fotografien zeigen die Musiker bewusst ohne ihr Instrument, um den Fokus uneingeschränkt auf den Menschen zu lenken. 
Auszüge aus dem musikalischen Schaffen waren an einer Audiostation, einem umgebauten Radio zu hören.  
Die Ausstellung war vom 22.Februar - 7.März 2020 in München im Gasteig zu sehen. 
HERMANN WEINDORF  Vamos A La Playa  Ein Bisschen Frieden
HERMANN WEINDORF 1953
Keyboard | Klavier

                                   Ciao d'Amore                      Klostertaler
                                   Vamos A La Playa                La Bionda
                                   Ein Bisschen Frieden             Nicole

„Um wirklich etwas auszusagen sind nicht immer viele Töne nötig. Es müssen nur die Richtigen sein", sagt Hermann Weindorf. In den unterschiedlichsten Musikrichtungen ist er zuhause. In Jazz, Pop, Volkstümlicher Musik, einem Oratorium und Filmmusik ist sein musikalisches Wirken hörbar.
 Das Multitalent spielt nicht nur selbst, sondern komponiert, arrangiert und produziert. Künstler wie Klaus Doldinger Udo Jürgens und Peter Alexander schätzten seine musikalische Erfahrung.
GIUSEPPE „PEPE" SOLERA 1939
Saxofon | Klarinette | Flöte | Harmonika

               Ich War Noch Niemals In New York     Udo Jürgens
               Action This Day                                        Queen
               Indiana Jones/Mulan                              Filmmusik
1973 kam Giuseppe Solera mit dem Ziel nach München, Studiomusiker zu werden. Seitdem gilt er als Experte für sämtliche Holzblasinstrumente. Er hat Stars wie Boney M., Milli Vanilli, Donna Summer, Liza Minnelli und Elton John musikalisch begleitet und war der erste Gastmusiker bei
einer Queen-Produktion („Action This Day" aut dem Album „Hot Space"). 
Ein unkonventioneller Auftrag kam 1991 von Loriot: Für seinen Film „Pappa ante Portas" sollte in der Schlussmusik das Blockflötenduo - von Loriot und Evelyn Hamann meisterhaft gedreht - besonders unmusikalisch klingen. Pepe brillierte auch hier.
THOMAS SIMMERL 1961
Schlagzeug | Percussion

          Lena                                         Pur
          Rise Up                                    Bobby Kimball
          Von Nun An Ging's Bergab   Hildegard Knef Re-Recording
Bei zahlreichen Musikproduktionen der letzten 38 Jahre ist Thomas Simmerl am Schlagzeug zu hören. Mit Perfektion, Energie und dem richtigen Gespür für jedes Musikgenre ist er einer der meist-aufgenommenen deutschen Schlagzeuger. Bescheiden beschreibt er sich und seine künstlerische Arbeit mit den Worten: „Ich bediene alles was rumpelt und pumpelt."
Er spielte unter anderem mit der Münchener Freiheit, Söhne Mannheims, Paul Carrack und Joshua Kadison. Sein Groove macht jede Studio-produktion einzigartig. Ein Produzent schwärmt: „Thomas spielt nicht das was du sagst, sondern das was du denkst."
BERTRAM „BENNY" GEBAUER 1939
Saxofon | Klarinette

                              Johnny Blue                           Lena Valaitis
                              Once Upon A Time               Donna Summer
                              Blame It On The Boogie        Mick Jackson

Ob live vor Millionenpublikum des Eurovision Song Contest 1981 oder vor dem Studiomikrofon: Stars wie Udo Jürgens, Udo Lindenberg und Falco wollten für ihre Produktionen nur ihn. Denn der Gänsehautmoment bei Bennys Solo auf dem Saxofon war immer sicher.


Seine Markenzeichen: Leidenschaft, Emotion & Perfektion. Wenn am Saxofon die Klappe hängt und der letzte Ton verrutscht, kann schon mal ein Schimpfwort fallen. Falco fand Bennys Reaktion darauf - „Oh shit!" - so ausdrucksstark, dass er es mit dem falschen „C" auf die Schallplatte presste. ("It's All Over Now, Baby Blue" auf dem Album „Falco 3").
CHARLY ANTOLINI 1937
Schlagzeug

           My Little Suede Shoes                 Niels H. Ørsted Pedersen
           In The Groove.                             Charly Antolini
           Wunder Gibt Es Immer Wieder   Katja Ebstein 


Mehrfach als „Jazz-Schlagzeuger des Jahres" gekürt und international gefeiert ist Charly Antolini als lebende Legende zu bezeichnen. Er spielte mit Jazzgrößen wie Benny Goodman, Sidney Bechet oder Bill Coleman. Bei Livekonzerten und Studioaufnahmen versteht er es, seine Leidenschaft für die Musik mitreißend auf den Zuhörer zu übertragen.
„Das Wichtigste im Jazz ist die Personality", sagt Charly Antolini. Die mathematische Präzision seines komplexen Spiels hat Ausdruck und Aussage in jedem einzelnen seiner Schläge.
MATS BJÖRKLUND 1949
Gitarre

                          Rivers Of Babylon             Boney M.
                          Destiny                               Jennifer Rush
                          Gloria                                Umberto Tozzi

Eigentlich kam Mats Björklund 1976 nur für eine einzige Aufnahme mit seiner schwedischen Band nach München. Giorgio Moroder wurde auf den ungewöhnlichen „funky Sound" seines Gitarrenspiels aufmerksam und engagierte ihn für Aufnahmen mit Donna Summer. Mats Björklund blieb in München.
 Auch auf nahezu allen Boney M. Hits - produziert von Frank Farian - ist seine Gitarre zu hören. Ralph Siegel beschreibt ihn in seiner Biografie „als einen der besten Musiker der Welt". Er spielte mit fast allen und war durchgehend in den Studios gebucht. „Es brauchte 6 Jahre bis ich merkte, dass es in München das Oktoberfest gibt." beschreibt er diese Zeit.
CURT CRESS 1952
Schlagzeug

              Handmade                           Klaus Doldinger's Passport
              Junge Roemer                       Falco
              I Was Born To Love You       Freddie Mercury

Bis heute wirkte Curt Cress bei über 12.000 veröffentlichen Aufnahmen mit und ist mindestens auf 400 Millionen verkauften Tonträgern zu hören. 15 Mal ist er zum besten Schlagzeuger in Deutschland gewählt worden und gilt zur absoluten Weltelite. Er spielte mit Falco, Münchener Freiheit, Meat Loaf, Freddie Mercury und Tina Turner.

Zusätzlich arbeitete er an Film- und Fernsehmusiken für „SK Kölsch", „Tatort", „Bandits" und der Titelmusik von „Wetten, dass.?". Bei all dem Erfolg und dem Ruhm seiner Musik bleibt er jedoch selbst lieber im Hintergrund.
NICK WOODLAND 1951
Gitarre

             Daddy Cool                                      Boney M.
             Love To Love You Baby                     Donna Summer 
             Mit Pfefferminz Bin Ich Dein Prinz    M. M. Westernhagen

Seit den 1970er Jahren ist Nick Woodland ein fester Bestandteil der Münchener Musikszene. Der gebürtige Brite, der selten ohne seinen schwarzen Zylinder anzutreffen ist, „lebt" den Blues-Rock im Stil der 60er und 70er Jahre. Der Studiowelt, die damals größtenteils aus Disco, Pop und Schlagermusik bestand, hat er eine Prise Rock'n'Roll verpasst. Bis zu dem Tag, an dem er merkte, dass er seine eigene Musik machen will: „Nur im Studio, im Sitzen und nach vorgegebenen Noten zu spielen, ist nicht der Grund, wofür ich dieses Instrument gelernt habe." 
Nick Woodland tritt seit 1982 mit seinen Songs in Clubs und auf Festivals auf und hat 10 eigene Alben produziert.
GARY UNWIN 1943
Bass

                    Fly, Robin, Fly                    Silver Convention
                    Sunny                                 Boney M.
                    Automatic Lover                 Dee D. Jackson
„Jeden Tag andere Songs zu spielen, kreativ immer was Neues auszuprobieren", begeisterte Gary Unwin an der Arbeit im Studio. 1968 kam er als Co-Produzent von Abi Ofarim nach München. Als die Discowelle die Stadt erreichte, war er mit seinem runden Bass-Sound und dem Gespür für Hits im Studio besonders gefragt. 
Gary Unwin komponierte, produzierte und spielte unter anderem für Silver Convention, Boney M. und Dee D. Jackson. Als in Los Angeles die Musiker streikten und auch Film- und Fernsehmusik in München produziert wurde, spielte er den Bass für die „Dallas" und „Denver-Clan" Musik.
LÁSZLÓ BENCKER 1954
Keyboard | Klavier

          Laß Die Sonne In Dein Herz                Wind
          When The Rain Begins To Fall              P. Zadora/J. Jackson
          La Golondrina                                       Plácido Domingo
Unter Lebensgefahr flüchtete László Bencker 1975 mit seinem Freund Leslie Mandoki aus dem kommunistischen Ungarn in die Freiheit. Sein Studienabschluss am Musik- konservatorium in Budapest war die Grundlage seines musikalischen Erfolgs in Deutschland.
Howard Carpendale, Plácido Domingo, Jennifer Rush und viele andere große Stars schätzten sein Können als Musiker, Komponist und Produzent.
Er wirkt genreübergreifend von orchestraler Musik wie dem „Munich-Symphonic-Sound-Orchestra" zu New Wave Punk, wie dem von Giorgio Moroder produzierten „Sigue Sigue Sputnik".
HERMANN BREUER 1942
Posaune | Klavier

                   Once Upon A Time             Donna Summer
                   Blame It On The Boogie      Mick Jackson
                   Special Delivery                   Charly Antolini

Hermann Breuer ist ein echtes Münchener „Jazz-Urgestein". Geboren und aufgewachsen in München war er bereits als junger Pianist vom Jazz fasziniert. Anfang der 70er Jahre begleitete er Jazzgrößen wie Chet Baker, Benny Bailey, Peanuts Holland.
Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung, suchte er sich ein zweites Instrument. „You are crazy", sagte Jimmy Woode, als er vom Klavier zur Posaune wechselte. „35 Jahre später stelle ich fest, er hatte recht." Hermann Breuer, erfolgreich als Posaunist bei Musikaufnahmen und Konzerten, wechselte wieder zurück zu den Tasten. Sein Können an beiden Instrumenten gab er als erfahrener Dozent am Konservatorium weiter und tritt heute als gefeierter Pianist auf.
MAX GREGER JUNIOR 1951
Piano | Hammond-Orgel

    Wunder Gibt Es Immer Wieder  Katja Ebstein
    Feelin' Alright                               Don Anderson, Joy Fleming 
    Es Ist Zeit Für Die Liebe                Udo Jürgens

Der Name Greger steht für herausragende musikalische Qualität. Als Sohn des gleichnamigen Bandleaders ist Max Greger Junior mit Jazz aufgewachsen. Das klassische Klavierstudium und die frühe Herausforderung als Pianist in der Big Band seines Vaters zu spielen, haben ihn geprägt. Bei Studioaufnahmen war er häufig auch an der Hammond-Orgel gefragt.
Produzenten wie Giorgio Moroder und Ralph Siegel, Inter- preten wie Rex Gildo, Joy Fleming und Peter Maffay zählten auf sein Können. Seiner Leidenschaft für Rhythm & Blues und Jazz geht er heute in verschiedenen Formationen nach.
JOHAN DAANSEN 1952
Gitarre

                Sonne In Der Nacht                  Peter Maffay
                Rivers Of Babylon                     Boney M.
                I Bin A Bayrisches Cowgirl.      Nicki

Als musikalischer Leiter bei Helene Fischer oder auf Welttournee mit den Scorpions: Johan Daansen ist ein wandlungsfähiger Gitarrist und Komponist. Ursprünglich aus Frankfurt, holte ihn Frank Farian für seine Boney M. Produktionen nach München.

Es folgten vielfältige Aufträge in den Studios der Stadt: „Heute Country, morgen Rock, übermorgen Punk und dann wieder Easy Listening". Bei Songs in bayerischer Mundart der Spider Murphy Gang oder Nicki kam es gelegentlich zu amüsanten Missverständnissen. Aber mit Musik als gemeinsame Sprache trifft Johan Daansen in jedem Genre den richtigen Ton.
GÜNTHER GEBAUER 1951
Bass


                Captain Future                                Christian Bruhn
                Major Tom - Völlig Losgelöst          Peter Schilling
                Dschingis Khan                                Ralph Siegel
14.000 Songs, über 4 Jahrzehnte aktive Studiozeit - Günther Gebauer gilt als der Studiobassist für unzählige Hits, Film- und Fernsehmusiken. Ob Rock, Pop, Jazz, Funk oder Schlager, die Basslegende beherrscht jedes Genre und fügt seine persönliche Note hinzu. Kenner hören seine musikalische Handschrift sofort heraus. 
Mit seinen Bass-Parts für Künstler wie Udo Jürgens, Umberto Tozzi und Donna Summer hat Günther Gebauer Musikgeschichte gespielt.
Christian Bruhn  /   Olaf Dankert
Christian Bruhn / Olaf Dankert
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